Donnerstag, 29. Mai 2014

Himmelfahrt - oder: Auf die Suche gehen


Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht
und sagt: Ich bin.
          Ein Gott, der seine Stärke eingesteht,
hat keinen Sinn.
         Da musst du wissen, dass dich Gott durchweht
seit Anbeginn,
         und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät,
dann schafft er drin.


Rainer Maria Rilke



Himmelfahrt. Ein markanter Punkt, die Osterzeit beschließend, am Ende eines wieder einmal zu schnell verstrichenen Frühlings stehend, dessen Wonnemonat mir immer eine Spur zu üppig scheinen will, mich überrumpelt und über mich hinwegfegt. Wenige hastig festgehaltene Augenblicke: Fliedertage, erster Mohn, Beginn der Rosenzeit. 






Freude am immer virtuoseren Gesang der Amsel vor dem Fenster, dem selten gewordenen entfernten Kuckucksruf, der melancholisch-sehnsuchtsvollen Stimme einer Nachtigall zur Mitternachtsstunde.










Trauer angesichts vielfach vorherrschender Gleichgültigkeit gegenüber Kostbarkeiten dieser Art. Zugleich das Wissen darum, dass Wahrnehmung subjektiv ist und - glücklicherweise! - niemandem aufgezwungen werden kann.

Andererseits: Sorge um die Kinder, die von gleichgültigen Erwachsenen nichts lernen können. Wen sollen sie einst zur Rechenschaft ziehen, wenn sie - zu spät - merken, was ihnen von Beginn an genommen wurde? Wo sollen sie anfangen, danach zu suchen?










Unsere eigene Sehnsucht dieser Tage. Wonach? Nach einem Himmel womöglich? Wie sollen wir uns diesen vorstellen? Haben wir ihn doch längst heruntergeholt auf den vielgepriesenen vermeintlichen Boden der Tatsachen, - der sich nur dummerweise von Zeit zu Zeit in einen Abgrund zu verwandeln droht.
Unseren religiösen Festen sind die Inhalte längst verloren gegangen, sie sind heruntergekommen zu Konsumschlachten und Kollektivbesäufnissen. Die Kirchen vermögen nichts entgegenzusetzen, denn auch hier scheint Gott, sofern er oder sie hier je wohnte, längst ausgezogen. Aufgefahren in den Himmel. Dies spürt auch der letzte Gläubige - und geht wieder.


Wenige begreifen, dass es so sein musste. Dass Gott an einen Ort umziehen musste, an dem ihn jeder Suchende finden kann, fernab aller religiösen Schranken.







Hin und wieder jedoch macht sich manch einer  - oder eine - auf den Weg, Gott zu suchen, - und findet ihn möglicherweise woanders als erwartet. Und schreibt - vielleicht - ein Gedicht darüber. Als eine von vielen möglichen Antworten.

In diesem Sinne:

Schöne Pfingsttage
und
Herzliche Grüße!

Eure Betty

Sonntag, 20. April 2014

Im Licht der Osterzeit - oder: Überwindung des Vergänglichen


  Ostern

Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
So weit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff


Χριστός ανέστη. - Αληθώς ανέστη!

Christus ist auferstanden! -
Er ist wahrhaftig auferstanden!


Merkwürdig verhält es sich mit jenem altehrwürdigen Ostergruß der orthodoxen Kirchen. Wir fühlen eine Kraft von ihm ausgehen, die sich nicht auf die uns gewohnte Weise erklären lässt. Auch jene, die sich schwer tun in Glaubensdingen, wovon ich mich selbst nicht ausnehme, ahnen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die Geheimnis bleiben. Fast alle Menschen verbindet der Wunsch nach einer Überwindung des Endlichen, der Vergänglichkeit. Das Wunder von Ostern schafft eine Hoffnung, die glücklicherweise weit hinausreicht über Hasenkitsch und Eierkult, wenngleich ich Traditionen wie die der Osterbrunnen, die in den letzten Jahren in meiner Gegend neu belebt wurde, sehr schön finde. So will ich Euch auch den Maulbronner Osterbrunnen im Bild selbstverständlich nicht vorenthalten.

 



Wie immer überschlägt sich der Frühling, vergeht zu schnell, Birnen- und Apfelblüte sind vorüber, ehe ich es geschafft habe, alle meine Lieblingsplätze aufzusuchen. Denn es sind arbeitsreiche Tage wie stets, ausgefüllt mit vielfältigen, wertvollen Erfahrungen. 








Manches Vorhaben, wie mein Kinderbuch-Blog musste ich aus Zeitgründen noch etwas vertagen, anderes konnte ich zu Ende bringen.  So ist nun auch mein Essay Anne Franks Vermächtnis anlässlich der bereits im vergangenen Herbst neu erschienenen Gesamtausgabe ihrer Werke im LiteraturFreundIn-Blog abrufbar.




Über mehrere Monate hat sie mich beschäftigt und der Versuch, mich nur annähernd in ihre einstige Situation hineinzudenken, hat mir manche schlaflose Nacht bereitet. Nur für den Fall, dass jemand ernsthaft glauben sollte, man könne irgendwann aufhören, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Man kann nicht!

Es mag eine umstrittene Frage bleiben, ob man Schuld erben kann, die Verantwortung jedoch erbt man in jedem Fall.

 
Die Zeit der blühenden Kastanien erinnert uns an den einstigen Baum vor Annes Fenster, den sie besonders liebte, der für sie der Inbegriff von Natur war, nach der sie sich so sehr sehnte und die ihr leider für den Rest ihres kurzen Lebens vorenthalten bleiben sollte. 







Anne Frank wäre im Juni dieses Jahres fünfundachzig Jahre alt. Sie war gerade einmal fünfzehn, als sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben kam. Diese Blüte sei ihrem Andenken gewidmet.



 
Möge uns das Licht von Ostern eine Zeitlang begleiten und unsere Gedanken als auch unsere Herzen erhellen, - dies ist mein Wunsch für jene Tage!

Mit vielen lieben Grüßen und allen guten Wünschen zum Osterfest

Eure Bettine

Samstag, 29. März 2014

Blühende Gefilde - oder: Reise zum Dichter


       Der Frühling

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,
O! Welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

Friedrich Hölderlin



 
Auf der Suche nach Frühlingsgedichten, die nicht geradezu triefen vor Kitsch, stets wieder landen beim alten Meister, dem Dichter, mit dem ich Geburtsort und -monat teile, der immer wieder meinen Weg kreuzt, gewollt oder unvermittelt, und der am 20. dieses Monats seinen 244. Geburtstag hatte.




  







Und unwillkürlich erscheinen bei dem Wort "Gefilde", welches als gehobener Begriff für eine offene Landschaft steht, Bilder vor meinem inneren Auge: Eine Fahrt nach Tübingen, einmal von einer anderen als für mich üblichen Seite, von den Höhen des östlichen Schwarzwaldes herunter durch das Tal der Ammer, an einem Frühlingstag wie diesem, als sich vor mir die "blühenden Gefilde" in ihrer ganzen Pracht auftaten.

Auch dies war eine Reise zum Dichter, was mich kurz entschlossen dazu veranlasst hat, die alten, liebgewordenen Fotos hervorzuholen und das entsprechende Kapitel aus meinem Roman "Holunderblüten" in unserem LiteraturFreundIn-Blog zu veröffentlichen. Viele der Bilder wird manch einer aus den Profilbildern unserer Seiten und Blogs wiedererkennen, womit auch das Geheimnis gelüftet wäre, wo sich der idyllische Winkel befindet, welchen ich einst zum Logo von Betty's Corner erkoren hatte:


Hier also geht es zu Glänzende Gefilde - Hölderlins Tübingen.
Ein weiteres Kapitel hatte ich bereits am 29. Januar anlässlich des 200. Todestages des Philosophen Johann Gottlieb Fichte eingestellt, welches hier nachzulesen ist: Fichte und Hölderlin. So lasse ich mich doch immer ein ums andere Mal dazu hinreißen, Teile aus "Holunderblüten" vorab freizugeben, was mich jedoch nicht reut, da es jeweils in die Zeit passt, und die Veröffentlichung als Buch noch etwas dauern wird.



Darüber hinaus blühen mir die Gefilde wie immer zu schnell; viel Arbeit und eine niederträchtige Frühjahrsgrippe vereiteln leider manche ersehnte Wanderung. Immerhin reichte es zu einem traumversunkenen Spaziergang in "meinen" Scillawald zu den Blumen meiner Kindheit, und so sollen diese auch Euch nicht vorenthalten bleiben!

Auch hierzu findet sich etwas in "Holunderblüten", wo dieser Ort näher beschrieben ist:

Scilla-Blütezeit in der alten Neckarschleife Lauffen










































Ein lange gehegtes Projekt in diesem Frühjahr ist die Eröffnung eines weiteren Literaturblogs, diesmal für Kinder, in dem auch diese selbst mit ihren Beurteilungen zu Wort kommen sollen. Geplant sind Buchbesprechungen und Linktipps für junge und jung gebliebene Leute.

Betty's Kids' Corner ist noch im Aufbau begriffen, wird aber bald seine Pforten eröffnen. "Meine" bücherbegeisterten Kinder werden mir tatenreich zur Seite stehen. Soll ich es als Zeichen nehmen, dass auf dem Gelände unseres Kindergartens in einer Astgabel unserer Zirbelkiefer ausgerechnet ein Buch-Finkenpaar sein Nest errichtet?



Somit wird dieser Frühling vieles bereit halten, wenn auch oft anders und in einem anderen Tempo als geplant, was nicht zwingend zum Schlechten gereichen muss. Genießen wir einstweilen die blühenden Gefilde, die verschönte Ansicht und lassen wir freundliches Lachen nicht allzu ferne sein!



Liebe Grüße

Eure Bettine






Freitag, 28. Februar 2014

Vorfrühling - oder: Februar-Blog in letzter Minute

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau, 

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens 

Ausdruck in dem leeren Baum.


Rainer Maria Rilke (Vorfrühling) 


Immer wieder ist es Rilkes Vorfrühlingsgedicht, welches mir als "Erstling" im Verlaufe des beginnenden Frühlings in den Sinn kommt, noch lange bevor Mörikes berühmtes Blaues Band zu flattern beginnt. Wenn auch dieser Winter es zumeist - manch einem zur Erleichterung - an Härte fehlen ließ, ist es doch der Mangel an Licht und Farbe, der uns in Gefilden nördlich der Alpen zu schaffen macht. Dies lässt uns begierig jede Veränderung aufnehmen, macht uns empfänglich für die dezenten Pastelltöne des ausklingenden Monats Februar.

Das silberne Schimmern der Zweigspitzen, mittlerweile frei vom Laub des Vorjahres. Das dunkle Rot und helle Vanillegelb der Weiden, deren Glanz vom Aufsteigen neuer Kräfte kündet. Schon immer war der Vorfrühling meine Jahreszeit, die Tage, während derer sich alles in Erwartung hält und von Künftigem erzählt, ohne etwas zu übereilen. Hat es erst begonnen, wird es schwierig, mitzuhalten. Schwindelgefühl wird sich alsbald einstellen; gern würden wir die forteilende Frühlingsgondel noch manches Mal aufhalten.

Und schon mischen sich andere Farben ins Bild. Filigranes Gelb der früh blühenden Kornelkirsche, am Boden Krokus in Violett zwischen Schneeglöckchenweiß. An anderen Orten die dankbaren Gänseblümchen und der erste Huflattich, - kleine, gelb leuchtende Sonnen. Und es entsteht in der Tat vor unseren Augen das eine oder andere Bild von Wegen, die weit ins Land gehen. Wanderungen auf Frühlingswegen, die im bevorstehenden März möglich sein könnten.


Ein Frühlingsweg geleitet mich zu meinen Scillawiesen aus Kindertagen, wo sich die zunächst noch winterlich grau anmutenden Waldhänge einer ehemaligen Flussschleife nach und nach mit ungezählten kleinen, blauen und vereinzelt weißen Sternen übersät finden werden. Ein anderer führt durch lichte Anemonenwälder, erfüllt vom Gesang der Vögel und dem Trommeln des Spechtes zwischen noch unbelaubten Buchen, die viel Raum lassen für den blauen Himmel. Dann hinaus auf Lichtungen zu einem Panoramaweg mit weitem Blick ins Land bis zu den Höhenzügen des Schwarzwaldes, gesäumt von schneeweiß duftenden, bienenumsummten Schlehenhecken und blühenden Vogelkirschen über Fuchsbauten mit frisch gegrabenen Zugängen. Ein weiterer bringt mich durch ein kleines Wäldchen, welches im Frühjahr von einem blauviolett-weiß-gelben Tupfenteppich aus Märzveilchen, Buschwindröschen und leuchtendem Scharbockskraut überzogen scheint, hin zu meiner Lieblingsburg, die um diese Jahreszeit besonders schöne Fernblicke bietet.


Wieder andere verlaufen an sonnigen Hängen unter zartrosa blühenden Mandelbäumen, durch junge Laubwälder mit vielen Singvogelarten, die sich beim Sammeln von Nistmaterial beobachten lassen, zu alten Burgen und imposanten Felsen. Und abermals andere führen durch wasserreiche Schwarzwaldtäler mit hellviolett gemusterten Wiesenanemonen und satt-gelben Sumpfdotterblumen, hinauf auf felsige Höhen mit eindrucksvollen Ausblicken und zu stillen Hochmooren.

Wenigstens einige von diesen hoffe ich, in den nächsten Wochen, die wie alle vorangegangenen arbeitsreich zu werden versprechen, gehen zu können, den richtigen Zeitpunkt dazu nicht zu versäumen, was - ich weiß es - sich nicht immer ganz einfach gestalten wird. Dennoch ist dies eine Aussicht, die mich zu beflügeln vermag.

Und so lasse ich nun den Winter, der keiner war, ohne Bedauern ziehen und überspringe auch geflissentlich die Tollen Tage, die nicht für mich gemacht sind. Sie zu begehen, mich in verordnetes Narrentum zu begeben, würde, wie ich befürchte, die Verpflichtung mit sich bringen, an den übrigen Tagen des Jahres eine betont seriöse Seite herauszukehren, die mir noch weniger anstehen dürfte. So ziehe ich es denn vor, für mich frech-dreist - in meinem Alter darf frau solches! - ganzjährige Narrenfreiheit zu beanspruchen.

In diesem Sinne - es ist ein kurzer Beitrag geworden, da ich an einem größeren Anne-Frank-Essay arbeite, welcher drängt, nächstens mehr davon! - allen, die feiern, natürlich ganz viel Spaß!

Auf Wiederbloggen im März!

Eure Bettine

Samstag, 25. Januar 2014

Widerstrebender Winter - oder: Neue Jahre - Unbeschriebene Blätter

Hinter jedem Blatt und jeder Blüte, dünkt mich, stecke ein Engel, der mir meinen Mut erhielte.

Philipp Otto Runge








Während eines widerstrebenden Winters, der keiner sein mag, und auf den nach seinem lichtlosen Kollegen des vorangegangenen Jahres auch niemand so recht Lust verspürt, gemahnt mich eine innere Stimme meiner Versäumnisse. Wieder einmal hat sich ein Jahreswechsel sehr schnell vollzogen, nachdem es gelungen schien, während der Weihnachtstage für einen kurzen Augenblick die Zeit anzuhalten. Immer fällt es mir schwer, Weihnachten ziehen zu lassen, räume erst nach dem Lichtmesstag, wenn die Dunkelheit dann endlich doch zu weichen beginnt, die letzten Sterne ab, während doch spätestens mit der Neujahrsnacht die letzten leisen, Frieden beschwörenden Töne verklungen sind und eine kollektiv verkaterte Gesellschaft sich wieder griesgrämig ihren zumeist alles andere als friedlichen Tagesgeschäften zugewandt hat. Nun ließe sich entgegenhalten, dass dieselbe in ihrer gewohnten Aktion zu beobachten erträglicher sei, als in der vorangegangenen Scheinheiligkeit, und dass alles nur eine Frage der Gewöhnung darstelle. Mein Sich-nicht-gewöhnen-wollen: Eine Untugend, die sich einst hätte auswachsen müssen? Zu spät! Und so bleibt mir, einen großen Schriftsteller zu zitieren, der mit vielen anderen Großen das Los teilt, mit seinem sehr eigenwilligen Stil nur von wenigen verstanden zu werden:

"Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare."


Arno Schmidt wäre am 18.Januar 2014 hundert Jahre alt geworden, ein großer Katzenfreund übrigens - seine Frau Alice noch mehr -, was mich sehr für beide einnimmt.

Den Beweis für den Kunstsinn der samtpfotigen Stubentiger wiederum liefert mir mein Besuchskaterchen, welches, während ich dies beim Morgenkaffee schreibe, Mozartklängen lauschend vor sich hin schnurrend, sein ausgiebiges Vormittagsschläfchen hält.







Insgeheim komme ich ja nicht umhin, den Verdacht zu hegen, dass er mich mehr um Mozarts als um meinetwillen in meinem Dachdomizil aufsucht, was mich nicht stören soll, insofern ich Nutznießerin bin. Gib jedem sein persönliches Bargfeld!




Rückzugsorte - nah und fern - sind es, die helfen können, während arbeitsintensiver Tage verloren gegangene Energie nachzutanken. Ein solcher ist auch immer wieder das Kloster Maria Laach in der Eifel, dem in unserem LiteraturFreundIn-Blog bereits an früherer Stelle unter dem Titel Orte für die Suchenden ein Beitrag gewidmet ist.



Seine Lage in vulkanischer Umgebung am geheimnisumwitterten Laacher See, der sich durch rasch darüber hinwegziehende Wolkenschatten in immer wieder neuen Farbnuancen und Spiegelungen zeigt, lässt die Faszination jenes sakralen Ortes, dem ich in diesem Jahr einen "Dreikönigsbesuch" abstattete, nie weniger werden.





Erinnerungen an eine ungewöhnliche Begegnung zwei Jahre zuvor, als sich im ausklingenden Winter eine pfiffige Rötelmaus am Geo-Pfad ausgerechnet auf einem markanten Gesteinsbrocken aus schwarzer Schlacke in Szene setzte und mir jenes unvergessliche Bild bescherte.




So findet sich das eine oder andere Motiv zuweilen völlig unerwartet, während so manche gezielte Suche vergeblich endet.


Unter die überraschenden Motive wiederum fielen auch die frühen Mandelblüten in der Stadt, welche meiner Frühlingssehnsucht Vorschub leisten, und die ich nun teile, auf dass sie uns Boten des Engels seien, der - so der Maler - uns den Mut für kommende Tage erhalten helfen möge.




Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für dieses noch junge Neue Jahr!

Bettine

Sonntag, 22. Dezember 2013

Augenblicke im Advent

"Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt."

Friedrich von Bodelschwingh



Und wieder reicht es gerade noch zum Innehalten in letzter Minute, bevor eine Zeit zu Ende geht, die ich gerne bewusster begangen und gestaltet hätte, - einfach weil ich sie von Kindertagen her stets liebte, woran auch alles Seufzen über deren kommerzielle Verzerrung und auch das zunehmende Gewahrwerden des Auseinanderklaffens von Wunsch und Wirklichkeit nichts Grundlegendes zu ändern vermochte.

Es blieb bei wenigen Momentaufnahmen, gestohlenen Stunden, wie ein Besuch in meiner Heimatstadt zu einer liebevoll gestalteten Märchenlesung im Burgturm, wo eine Gruppe engagierter Menschen es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu Gunsten von Kinderhilfsprojekten eine verlorengegangene Erzählkultur wiederzuleben.

Manches hin und wieder mit verfremdetem Blick betrachten, lässt den einen oder anderen vergangenen Zauber wieder heraufbeschwören. Trugbild? Möglicherweise. Aber welche Bilder betrügen mich nicht, welche erzählen mir schon die ganze Wahrheit - oder das, was ich dafür halte?

"Wo kämen wir hin", mag andererseits mancher mit Recht fragen, "wenn jeder sich nach Pippi-Langstrumpf-Art die Welt machte, wie sie ihm gefällt?" Ja, gute Frage! Wo kämen wir hin? Auf geradem Wege ins uferlose Chaos, wie mancher es uns gerne prophezeien möchte, ohne uns mit Details über das unweigerlich zu erwartende Übel zu verschonen? In den luftleeren Raum, ins Bodenlose? Oder doch vielleicht in eine schönere Welt, eine menschlichere? Wir wissen es nicht, denn es besteht keine Gefahr, dorthin zu kommen, da es nie dazu kommen wird, dass "jeder" dies in die Tat umsetzt. Weil jenen, die es wagen, viele andere gegenüberstehen, die dies schlicht nicht wollen. Oder wieder andere, die es gerne wollten, aber nie die Kraft und den Mut dazu aufbringen würden. Und deshalb wird unsere Gesellschaft die übrige Handvoll "Spinner" und "Phantasten"auch weiterhin aushalten, ohne dass ihr Gefüge deshalb Schaden nimmt.

Aber ich wollte von gestohlenen Stunden erzählen. Von Spaziergängen im schönsten Dezemberlicht. Ein goldener, lichtgefluteter Sonntagnachmittag auf dem Maulbronner Klosterberg, - Zauber der stillen Winterwege. Besuch bei der 250-jährigen Linde, die viele meiner geliebten Dichter noch auf ihren Spaziergängen sah. Sahen sie auch ihn? Gewahrte der junge Hölderlin den damals jungen, wohl noch sehr unscheinbaren Baum? Wie nahm der Baumfreund Hesse die einst 100-jährige Linde wahr? Wir wissen es nicht, können es nur ahnen.




Staunen beim näheren Hinsehen: Das Laub ist vollständig gefallen, hat zarte Knospen an kleinen, aus der zerfurchten Rinde ragenden Zweigen freigelegt, die den alten Riesen außer von versunkenen Zeiten auch vom künftigen Frühling erzählen und so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft entstehen lassen. Doch was ist die Gegenwart, und was sind zurückliegende und kommende Zeiten anderes als eine Aneinanderreihung von Augenblicken?






Sich sodann mit Einbruch der Dämmerung ins Innere der Mauern begeben,während der Stunde "zwischen Tag und Traum", die allem, was sich in ihr zuträgt, besonderen Glanz verleiht. Auch dieser flüchtig, gewiss. Unaufdringlich auch, was seine Erscheinung zu einer angenehmen macht.

Beim Stöbern im Buchladen fand ich jenen kleinen Literaturfreund, zwischen den Regalen am Boden sitzend, selbstvergessen in seine Lektüre vertieft, sich eigene Geschichten "vorlesend", die sich wohl mit dem eigentlichen Inhalt des Buches messen konnten, wenn sie ihn nicht gar übertrafen. Liebgewordener Satz, der während der Arbeit mit Kindern oft fällt: "Du sollst vor-le-sen!!!" Gesammelte Hoffnungsfunken, Augenblicke, in denen das Hinforteilen der Zeit - wohl nicht anzuhalten, dies wäre sicherlich zu viel verlangt, aber zumindest - innezuhalten scheint.

Möge uns in diesem Sinne mancher Zauber dieser und künftiger Tage wenigstens immer wieder für Augenblicke gegenwärtig sein, möge dann und wann ein Schein durch das Schlüsselloch auf unseren - mal mehr, mal weniger - dunklen Erdenweg fallen!

Mit allen guten Wünschen für die kommenden Festtage und das Neue Jahr...

Eure Bettine